CISOKritische InfrastrukturCybersicherheit

IT/OT-Sicherheit: Wenn Produktion und IT aufeinandertreffen

MKMarcel Kühni 29. Oktober 2025 3 Min. Lesezeit
IT/OT-Sicherheit – Wenn Produktion und Informationstechnologie aufeinandertreffen

IT/OT-Sicherheit im KMU – warum die Vernetzung von Produktion und IT neue Risiken schafft und wie Sie diese gezielt reduzieren.

Produktionsanlagen, Steuerungssysteme und Sensoren, die früher isoliert liefen, sind heute mit dem Firmennetzwerk verbunden – oft sogar mit der Cloud. Diese Vernetzung bringt echte Effizienzgewinne, öffnet aber gleichzeitig neue Angriffsflächen. IT/OT-Sicherheit ist deshalb für Unternehmen der kritischen Infrastruktur kein optionales Thema mehr, sondern eine betriebliche Notwendigkeit. Wer die Risiken an der Schnittstelle zwischen IT und Produktion nicht kennt, bemerkt sie erst dann – wenn es zu spät ist.

Warum IT und OT zwei verschiedene Welten sind

In der IT steht Vertraulichkeit im Vordergrund: Daten müssen geschützt, Zugriffe kontrolliert und Systeme regelmässig aktualisiert werden. In der OT – also in der Betriebstechnologie, die Produktionsanlagen, Steuerungssysteme und Leittechnik umfasst – gilt ein anderes Prinzip: Verfügbarkeit. Die Produktion darf nicht stillstehen.

Beide Welten haben unterschiedliche Ziele, Kulturen und Prioritäten:

  • IT: Updates, Firewalls, strenge Zugriffsrechte, kurze Lebenszyklen

  • OT: Stabilität, Langzeitbetrieb, «never touch a running system»

Wenn diese Systeme verbunden werden, prallen diese Welten aufeinander. Genau dort entstehen die grössten Risiken.

Warum die Risiken an der IT/OT-Schnittstelle steigen

Produktionssysteme wie speicherprogrammierbare Steuerungen (SPS), SCADA-Systeme oder industrielle Steuerungsanlagen (ICS) wurden ursprünglich ohne Sicherheitsmechanismen entwickelt. Viele Anlagen sind 10 bis 20 Jahre alt, laufen auf veralteten Betriebssystemen und waren nie für Netzwerkanbindung oder Fernzugriff konzipiert.

Sobald sie in moderne IT-Netze integriert werden, entstehen typische Schwachstellen:

  • Fernwartungszugänge ohne starke Authentisierung

  • Unkontrollierte Datenverbindungen zwischen Produktions- und Büronetz

  • Fehlende Netzsegmentierung

  • Kein Monitoring in der OT-Zone

In Assessments habe ich gesehen, wie Angriffe aus dem IT-Netz direkt in die Produktion überspringen konnten – weil es schlicht keine klare Trennung gab.

Silos aufbrechen: Warum Zusammenarbeit entscheidend ist

Viele Sicherheitsinitiativen scheitern nicht an der Technik, sondern an der Kommunikation. IT- und OT-Teams arbeiten getrennt, sprechen unterschiedliche Sprachen und verfolgen unterschiedliche Ziele. Was fehlt, ist ein gemeinsames Verständnis – und ein gemeinsames Ziel: Betriebssicherheit.

Ein Beispiel aus meiner Beratungspraxis: In einem Energieunternehmen führte ein IT-Sicherheits-Update in der OT-Umgebung zu einem stundenlangen Anlagenstillstand. Das Vertrauen zwischen den Teams war danach zerstört. Erst durch einen gemeinsamen Workshop, in dem beide Seiten ihre Anforderungen offen erklärten, konnte ein abgestimmter Sicherheitsprozess etabliert werden.

Das Ergebnis: Nicht weniger Sicherheit, nicht weniger Verfügbarkeit – sondern beides in Einklang.

Fünf Prinzipien für wirksame IT/OT-Sicherheit

Basierend auf meinen Projekterfahrungen empfehle ich diese fünf Grundsätze:

  1. Klare Netztrennung und Segmentierung – IT und OT müssen physisch oder logisch getrennt sein. Datenflüsse dürfen nur über definierte Schnittstellen erfolgen.

  2. Schnittstellen-Management – Jede Verbindung zwischen IT und OT muss dokumentiert, kontrolliert und überwacht werden.

  3. Gemeinsames Governance-Modell – Wer entscheidet, wenn IT-Sicherheit und Produktionsstabilität kollidieren? Diese Frage muss vorab geklärt sein.

  4. Security by Design in der OT – Neue Anlagen sollten von Anfang an mit Sicherheitsmechanismen geplant werden – nicht als nachträgliches Add-on.

  5. Gemeinsame Trainings und Kommunikation – IT- und OT-Mitarbeitende müssen einander verstehen. Regelmässige Workshops schaffen Verständnis und Vertrauen.

Praxisbeispiel: Energieversorger mit IT/OT-Konvergenz

Ein Energieversorger mit rund 80 Mitarbeitenden hatte seine Leitsysteme schrittweise ans Firmennetzwerk angebunden – ohne begleitendes Sicherheitskonzept. Im Rahmen eines Assessments stellte sich heraus: Es gab keine Netzsegmentierung, Fernwartungszugänge waren ungeschützt, und das OT-Netz wurde nicht überwacht.

In einem ersten Schritt wurden die kritischsten Verbindungen dokumentiert und priorisiert. Dann folgte ein gemeinsamer Workshop mit IT- und Produktionsteam, um Verantwortlichkeiten zu klären. Innerhalb von drei Monaten war eine grundlegende Segmentierung umgesetzt – ohne einen einzigen Produktionsunterbruch.

Das zeigt: IT/OT-Sicherheit ist machbar, wenn man strukturiert vorgeht und beide Seiten einbezieht.

Technik sichern beginnt mit Kommunikation

IT/OT-Sicherheit ist kein rein technisches Problem – es ist ein Kommunikationsproblem. Technik lässt sich absichern, aber nur dann, wenn Menschen aus beiden Welten gemeinsam an Lösungen arbeiten.

Mein Tipp für den ersten Schritt: Bringen Sie IT- und OT-Verantwortliche an einen Tisch und stellen Sie gemeinsam eine einfache Frage: «Welche Verbindungen bestehen zwischen unseren Systemen – und wer weiss davon?» Die Antwort zeigt Ihnen, wo Sie stehen.

Bereit, IT und OT sicher zu verbinden?

Ich analysiere Ihre IT/OT-Umgebung, identifiziere kritische Risiken und entwickle mit Ihnen Massnahmen, die technische Sicherheit und operative Verfügbarkeit in Einklang bringen. Nehmen Sie Kontakt auf – für ein erstes, unverbindliches Gespräch.

Häufige gestellte Fragen zur IT/OT-Sicherheit

Was bedeutet IT/OT-Sicherheit konkret?
IT/OT-Sicherheit bezeichnet den Schutz der Schnittstellen zwischen klassischer Informationstechnologie (IT) und der Betriebstechnologie (OT), also Produktionsanlagen, Steuerungssystemen und Leittechnik. Ziel ist es, beide Welten sicher zu verbinden, ohne die Verfügbarkeit der Produktion zu gefährden.

Warum sind OT-Systeme besonders gefährdet?
Viele OT-Systeme wurden ohne Sicherheitsmechanismen entwickelt und sind 10 bis 20 Jahre alt. Sie laufen auf veralteten Betriebssystemen und waren ursprünglich nicht für Netzwerkanbindung konzipiert. Sobald sie mit der IT verbunden werden, entstehen neue Angriffsflächen.

Was ist Netzsegmentierung und warum ist sie wichtig?
Netzsegmentierung bedeutet, dass IT- und OT-Netze physisch oder logisch voneinander getrennt werden. Datenflüsse erfolgen nur über kontrollierte Schnittstellen. Das verhindert, dass ein Angriff im IT-Netz direkt auf die Produktion übergreift.

Wie fange ich mit IT/OT-Sicherheit an?
Der erste Schritt ist eine Bestandsaufnahme: Welche Systeme sind verbunden? Welche Schnittstellen existieren? Wer hat Zugriff? Auf dieser Basis lassen sich Risiken priorisieren und gezielte Massnahmen ableiten – ohne das Unternehmen zu überfordern.

Das Wichtigste in Kürze

  • Die Vernetzung von IT und OT schafft echte Effizienzvorteile, öffnet aber gleichzeitig neue Angriffsflächen – besonders in Unternehmen mit älteren Produktionssystemen.
  • Die grössten Risiken entstehen dort, wo IT- und OT-Teams in Silos arbeiten und keine gemeinsame Sicherheitsstrategie besteht.
  • Wirksame IT/OT-Sicherheit braucht klare Netztrennung, dokumentierte Schnittstellen und ein gemeinsames Governance-Modell.
  • Wer IT und OT zusammenbringt – technisch und menschlich – kann Effizienz und Sicherheit gleichzeitig stärken.
MK
Marcel Kühni
Gründer und Information Security Consultant · SecuraNova
Fragen zum Thema?
Kontakt und Erstgespräch

Sicherheit, die zu Ihrem Unternehmen passt.

Lassen Sie uns unverbindlich über Ihre Situation sprechen – pragmatisch, verständlich und ohne Verpflichtung.