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Cybersicherheits-Trends: Meine CISO-Strategie für KMU

MKMarcel Kühni 26. Juni 2025 3 Min. Lesezeit
Aktuelle Cyber-Sicherheits-Trends und meine CISO-Strategie dazu

Die wichtigsten Cybersicherheits-Trends und wie der IKT-Minimalstandard KMU hilft, Cyberangriffe systematisch abzuwehren.

Die Bedrohungslage in der Cybersicherheit verändert sich schneller als je zuvor. Angreifer werden raffinierter, die Angriffswerkzeuge zugänglicher – und die finanziellen Schäden für Unternehmen erreichen Rekordhöhen. Als ehemaliger CISO eines Energieversorgungsunternehmens sehe ich täglich, wie wichtig es ist, diese Entwicklungen nicht nur zu beobachten, sondern mit einer klaren Strategie darauf zu reagieren. Der IKT-Minimalstandard bietet dabei einen bewährten Rahmen, den ich als strategischen Anker nutze – nicht als Compliance-Pflicht, sondern als Werkzeug für echte Cyberresilienz.

Welche Cybersicherheits-Trends beschäftigen mich als CISO?

Die Bedrohungen sind vielfältig, aber einige Muster zeichnen sich klar ab. Hier sind die Entwicklungen, die ich in meiner täglichen Arbeit am stärksten wahrnehme.

KI-gestützte Angriffe und Deepfakes

Künstliche Intelligenz ist längst kein Zukunftsthema mehr – Cyberkriminelle setzen sie heute aktiv ein. KI steigert die Wirksamkeit von Phishing-Kampagnen erheblich: Die Nachrichten werden personalisierter, überzeugender und schwerer zu erkennen. Noch beunruhigender sind Deepfakes, die Stimmen und Gesichter täuschend echt imitieren können.

Was bedeutet das konkret? Interne Kommunikationsprozesse werden zur Angriffsfläche. Eine gefälschte Sprachnachricht der Geschäftsführung, die eine Überweisung anordnet, ist heute technisch möglich und wird bereits eingesetzt.

Meine Konsequenz: Mitarbeitende müssen gezielt auf solche Szenarien vorbereitet werden. Gleichzeitig braucht es technische Lösungen zur Anomalieerkennung, die auch subtile Abweichungen im Verhalten erkennen.

Ransomware bleibt eine der grössten Bedrohungen

Trotz aller Investitionen in Prävention und Erkennung ist Ransomware für mich weiterhin eine der grössten Sorgen. Die Angriffe werden zielgerichteter, die Lösegeldforderungen steigen – und die Täter gehen heute oft mit doppelter Erpressung vor: Sie verschlüsseln Daten nicht nur, sondern stehlen sie auch und drohen mit Veröffentlichung.

Meine oberste Priorität: eine robuste Backup-Strategie und die Fähigkeit zur schnellen, vollständigen Wiederherstellung. Wiederherstellungsprozesse müssen regelmässig und konsequent getestet werden – nicht nur geplant.

Cybercrime-as-a-Service: Angriffe für jedermann

Was früher nur hochentwickelten Angreifern vorbehalten war, ist heute über spezialisierte Plattformen für nahezu jeden zugänglich. Über sogenannte «Cybercrime-as-a-Service»-Angebote können selbst technisch wenig versierte Kriminelle ausgeklügelte Angriffe starten.

Das macht die Bedrohungslandschaft unübersichtlicher. Eine umfassende Verteidigungsstrategie muss deshalb nicht nur bekannte, sondern auch neue und unerwartete Angriffsmuster erkennen können.

Cloud- und Lieferkettenangriffe nehmen zu

Die Migration in die Cloud bringt enorme Vorteile – aber auch neue Angriffsflächen. Fehlkonfigurationen in Cloud-Umgebungen sind weit verbreitet und werden von Angreifern gezielt ausgenutzt. Gleichzeitig sind Lieferketten zu einem bevorzugten Ziel geworden: Ein einziger kompromittierter Zulieferer kann weitreichende Folgen für die eigene Infrastruktur haben.

Für mich bedeutet das: Cloud-Sicherheit und die Überprüfung von Lieferantenbeziehungen müssen kontinuierlich auf der Agenda bleiben – nicht nur bei der Einführung neuer Systeme.

Staatlich gestützte Angriffe auf kritische Infrastrukturen

Die geopolitische Lage beeinflusst die Intensität und Art von Cyberangriffen direkt. Staatlich unterstützte Akteure verfügen über erhebliche Ressourcen und sind hochmotiviert, kritische Infrastrukturen anzugreifen. Als ehemaliger CISO eines Energieversorgers war dies für mich eine ständige Realität – sie erforderte ausserordentliche Wachsamkeit und die enge Zusammenarbeit mit nationalen und internationalen Behörden.

Finanzielle Schäden auf Rekordhöhe

Am Ende spüren Unternehmen die Auswirkungen von Cyberkriminalität auch finanziell. Betriebsunterbrechungen, Lösegeldforderungen, Wiederherstellungskosten und Reputationsschäden summieren sich zu Beträgen, die für KMU existenzbedrohend sein können. Diese Entwicklung unterstreicht: Cybersicherheit ist kein IT-Thema, sondern ein Unternehmensrisiko, das auf Geschäftsleitungsebene gesteuert werden muss.

Meine CISO-Strategie: Der IKT-Minimalstandard als strategischer Anker

Angesichts dieser Bedrohungen braucht es einen klaren Rahmen. Für mich ist der IKT-Minimalstandard kein bürokratisches Compliance-Werkzeug, sondern ein strategischer Leitfaden, der hilft, die genannten Trends systematisch anzugehen.

Identifizieren und Schützen: Was sind die Kronjuwelen?

Um KI-gestützte Angriffe abzuwehren und Cloud- sowie Lieferketten zu sichern, muss ich zuerst wissen, welche Assets, Daten und Systeme wirklich kritisch sind. Das Segment «Identifizieren» zwingt dazu, diese Kronjuwelen zu katalogisieren und Risiken gezielt zu bewerten. Phishing-Schulungen, die auch Deepfake-Szenarien einschliessen, sind dabei für mich ein Muss.

Erkennen und Reagieren: Schnelligkeit entscheidet

Ransomware und staatlich gestützte Angriffe erfordern eine schnelle Reaktion. Das Segment «Erkennen» ist für mich entscheidend im gesamten Bewältigungsprozess. IT-Sicherheitsteams sollten regelmässig Schwachstellenscans durchführen und den Erkennungsprozess laufend verbessern. Detaillierte Reaktionspläne, die regelmässig geprobt werden, können die Ausbreitung von Ransomware verhindern oder zumindest eindämmen.

Wiederherstellen: Cyberresilienz beginnt hier

Angesichts der Rekordschäden und der anhaltenden Ransomware-Bedrohung ist «Wiederherstellen» für mich der zentrale Hebel zur Steigerung der Cyberresilienz. Detaillierte Wiederherstellungspläne helfen dabei, Prioritäten zu setzen und sicherzustellen, dass Geschäftsfunktionen und -systeme nach einem Vorfall schnell und effizient wieder verfügbar sind.

Praxisbeispiel: Wie ein Energieversorger reagiert

Ein mittelgrosser Energieversorger bemerkt, dass seine Cloud-Konfigurationen Lücken aufweisen. Gleichzeitig hat ein Zulieferer einen Sicherheitsvorfall gemeldet. Das Unternehmen hat keinen dedizierten CISO und weiss nicht, wo es anfangen soll.

Mit dem IKT-Minimalstandard als Rahmen beginnt man mit einer strukturierten Bestandsaufnahme: Welche Systeme sind kritisch? Welche Lieferanten haben Zugriff auf die eigene Infrastruktur? Anschliessend werden gezielt Massnahmen priorisiert – nicht alles auf einmal, sondern das Wichtigste zuerst. Parallel dazu werden Mitarbeitende auf Phishing und Deepfake-Szenarien sensibilisiert. Das Ergebnis: mehr Übersicht, klare Verantwortlichkeiten und eine deutlich reduzierte Angriffsfläche.

Jetzt einen konkreten Schritt machen

Die Cybersicherheitslandschaft ist herausfordernd, aber nicht unüberwindbar. Mein Rat: Starten Sie mit einer ehrlichen Bestandsaufnahme. Wo stehen Sie heute? Welche Systeme sind kritisch? Welche Prozesse fehlen noch? Dieser erste Schritt kostet wenig Zeit – und gibt Ihnen sofort mehr Klarheit über Ihre tatsächliche Risikolage.

Bereit für den nächsten Schritt?

Möchten Sie wissen, wie gut Ihr Unternehmen gegen die aktuellen Cybersicherheits-Trends aufgestellt ist? Ich begleite KMU in der Deutschschweiz dabei, Risiken zu erkennen, Prioritäten zu setzen und den IKT-Minimalstandard pragmatisch umzusetzen – ohne unnötige Komplexität.

Kontaktieren Sie mich für ein unverbindliches Erstgespräch.

Häufige Fragen zur Cybersicherheit in KMU

Was ist der IKT-Minimalstandard und für wen gilt er?
Der IKT-Minimalstandard ist ein Rahmenwerk des Bundes, das Unternehmen der kritischen Infrastruktur in der Schweiz dabei unterstützt, ihre Informations- und Kommunikationstechnologie systematisch zu schützen. Er orientiert sich am international anerkannten NIST-Framework und gliedert sich in die fünf Bereiche Identifizieren, Schützen, Erkennen, Reagieren und Wiederherstellen.

Wie gefährlich sind KI-gestützte Angriffe für KMU?
Sehr gefährlich – weil sie schwerer zu erkennen sind als klassische Angriffe. KI ermöglicht es Kriminellen, täuschend echte Phishing-Nachrichten zu erstellen oder Stimmen zu imitieren. KMU sind besonders gefährdet, weil sie oft keine spezialisierten Sicherheitsteams haben.

Was ist Ransomware und wie schütze ich mein Unternehmen?
Ransomware ist Schadsoftware, die Daten verschlüsselt und Lösegeld fordert. Der wirksamste Schutz besteht aus drei Elementen: regelmässige, getestete Backups; aktuelle Systeme ohne bekannte Schwachstellen; und geschulte Mitarbeitende, die Phishing-Versuche erkennen.

Muss mein KMU den IKT-Minimalstandard umsetzen?
Für Unternehmen der kritischen Infrastruktur – etwa Energieversorger – ist die Umsetzung verpflichtend. Für andere KMU ist er eine klare Empfehlung: Der Standard bietet eine strukturierte Grundlage, um Cybersicherheit systematisch und ressourcenschonend aufzubauen.

Das Wichtigste in Kürze

  • Die Bedrohungen durch KI-gestützte Angriffe, Ransomware und Cybercrime-as-a-Service nehmen zu und treffen KMU oft unvorbereitet.
  • Der IKT-Minimalstandard bietet einen bewährten strategischen Rahmen, um diese Risiken systematisch anzugehen – von der Bestandsaufnahme bis zur Wiederherstellung.
  • Cybersicherheit ist kein reines IT-Thema, sondern ein Unternehmensrisiko, das auf Führungsebene gesteuert werden muss.
  • Der erste und wichtigste Schritt ist eine ehrliche Bestandsaufnahme der eigenen Risikolage.
MK
Marcel Kühni
Gründer und Information Security Consultant · SecuraNova
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