Das zweite Quartal 2026 ist vorbei. Drei Monate, in denen ich viele Gespräche geführt, Risiken bewertet und Unternehmen begleitet habe. Und obwohl jedes Unternehmen seine eigene Geschichte hat, kehren dieselben Themen immer wieder. Nicht als Theorie, sondern als echte, dringende Fragen aus dem Alltag.

Dieser Beitrag ist kein Fachaufsatz. Er ist ein ehrlicher Rückblick auf das, was mich und meine Kunden in den letzten Monaten wirklich beschäftigt hat und was das für Q3 bedeutet.

Was KMUs im Q2 2026 wirklich bewegt hat

Digitale Souveränität: Wer kontrolliert eigentlich Ihre Daten?

Dieses Thema taucht in fast jedem Erstgespräch auf, oft ohne dass es so genannt wird. Die Frage dahinter lautet: Wissen wir eigentlich noch, wo unsere Daten liegen, wer darauf zugreifen kann und was passiert, wenn ein Anbieter ausfällt oder seine Bedingungen ändert?

Viele KMUs haben in den letzten Jahren Cloud-Dienste eingeführt — schnell, pragmatisch, oft ohne vertiefte Prüfung. Das ist verständlich. Doch jetzt, wo die Abhängigkeiten gewachsen sind, stellen Geschäftsleitungen und IT-Verantwortliche fest, dass sie die Kontrolle über kritische Prozesse und Daten teilweise aus der Hand gegeben haben.

Digitale Souveränität bedeutet nicht, alles selbst zu betreiben. Es bedeutet, bewusste Entscheidungen zu treffen: Welche Daten dürfen wo liegen? Welche Abhängigkeiten sind tragbar? Und was brauchen wir, um im Notfall handlungsfähig zu bleiben?

Technologischer Wandel: Wenn KI und Automatisierung neue Risiken schaffen

Künstliche Intelligenz ist kein Zukunftsthema mehr. Sie ist in vielen KMUs bereits im Einsatz. Als Unterstützung im Büroalltag, in der Produktion oder in der Kundenkommunikation. Das schafft Effizienz. Aber es schafft auch neue Angriffsflächen, die viele noch nicht auf dem Radar haben.

In meiner Beratungstätigkeit erlebe ich, dass der Einsatz neuer Technologien oft schneller voranschreitet als die Sicherheitsmassnahmen, die sie begleiten sollten. Mitarbeitende nutzen KI-Tools, ohne dass Richtlinien existieren. Automatisierte Prozesse laufen, ohne dass jemand weiss, welche Daten dabei verarbeitet werden.

Das ist kein Vorwurf, es ist die Realität in einem KMU, das mit begrenzten Ressourcen arbeitet. Aber es ist ein Risiko, das sich mit wenigen gezielten Schritten deutlich reduzieren lässt.

Regulatorische Anforderungen: Druck von aussen, Orientierung von innen

Der IKT-Minimalstandard, ISO 27001, die Meldepflicht bei Cybervorfällen — die regulatorischen Anforderungen an Schweizer Unternehmen nehmen zu. Besonders für Betreiber kritischer Infrastrukturen ist das kein abstraktes Thema mehr, sondern eine konkrete Pflicht.

Was mich in Q2 beschäftigt hat: Viele Unternehmen wissen, dass sie handeln müssen, aber nicht, wo sie anfangen sollen. Die Anforderungen wirken überwältigend, die Ressourcen sind knapp, und die Angst, etwas falsch zu machen, lähmt.

Dabei ist der erste Schritt oft einfacher als gedacht: eine ehrliche Bestandsaufnahme, klare Prioritäten und ein realistischer Plan. Compliance muss kein Papierstapel sein. Sie kann eine echte Grundlage für mehr Sicherheit und Klarheit im Unternehmen werden.

Ein Blick aus der Praxis

Ein Industrieunternehmen mit rund 80 Mitarbeitenden kam im Frühjahr auf mich zu. Der Auslöser: Ein Grossabnehmer hatte einen Nachweis zur Informationssicherheit verlangt und das Unternehmen wusste nicht, wie es darauf reagieren sollte.

Im Gespräch stellte sich heraus, dass die IT-Infrastruktur solide war, aber kaum dokumentiert. Prozesse existierten, aber niemand wusste, wer im Ernstfall verantwortlich ist. Und die Frage, welche Daten besonders schützenswert sind, hatte sich noch niemand systematisch gestellt.

Wir haben gemeinsam eine Bestandsaufnahme gemacht, die wichtigsten Risiken priorisiert und einen umsetzbaren Massnahmenplan entwickelt. Kein Grossprojekt, sondern gezielte Schritte, die im Alltag funktionieren. Drei Monate später hatte das Unternehmen nicht nur eine Antwort für seinen Kunden, sondern auch ein besseres Verständnis der eigenen Sicherheitslage.

Was Q3 bringt und was jetzt sinnvoll ist

Die drei Themen aus Q2 werden uns auch im dritten Quartal begleiten. Digitale Souveränität wird wichtiger, je mehr Unternehmen ihre Cloud-Strategie überdenken. Der technologische Wandel beschleunigt sich weiter. Und die regulatorischen Anforderungen werden nicht weniger.

Was ich meinen Kunden für Q3 empfehle: Nutzen Sie die Sommermonate, um innezuhalten. Nicht um alles auf einmal zu lösen, sondern um zu klären, wo Sie stehen und was als nächstes wirklich wichtig ist. Eine ehrliche Standortbestimmung ist oft der wertvollste erste Schritt.

Mein Experten-Tipp

Sicherheit ist kein Projekt, das man abschliesst. Sie ist ein kontinuierlicher Prozess und er beginnt mit dem Mut, die richtigen Fragen zu stellen. Was mich in Q2 am meisten beeindruckt hat: die Bereitschaft vieler Unternehmen, genau das zu tun.

Was hat Sie in diesem Quartal zum Thema Sicherheit beschäftigt? Ich freue mich auf den Austausch.

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