OT-SecurityRisikomanagement

OT-Security in der Industrie: 5 Cyberrisiken, die Produktions-KMUs unterschätzen

MKMarcel Kühni 15. April 2026 3 Min. Lesezeit
OT-Security in der Industrie: 5 Cyberrisiken in der Produktion, die KMUs unterschätzen

OT-Security in der Industrie: Welche 5 Cyberrisiken Produktions-KMUs in der Schweiz unterschätzen – und welcher erste Schritt jetzt schützt.

Die Produktionshalle läuft, die Maschinen arbeiten – und trotzdem ist das Unternehmen verwundbar. OT-Security, also die Sicherheit von Betriebstechnologie wie Steuerungsanlagen, Produktionssystemen und Leittechnik, wird in Schweizer Industrie-KMUs noch immer zu wenig ernst genommen. Nicht aus Gleichgültigkeit, sondern weil die Risiken unsichtbar sind. Bis es zu spät ist. Dieser Beitrag zeigt fünf konkrete Risiken, warum sie gefährlich sind – und welcher erste Schritt jetzt helfen würde.

Was ist OT-Security – und warum betrifft sie Ihr Unternehmen?

OT steht für «Operational Technology» – also alle Systeme, die physische Prozesse steuern: Produktionsanlagen, Steuerungssysteme, Leittechnik. Lange galten diese Systeme als sicher, weil sie vom Internet getrennt waren. Das hat sich geändert. Mit der Digitalisierung der Produktion, Fernwartung und vernetzten Maschinen sind OT-Systeme heute angreifbar – oft ohne dass die Verantwortlichen es wissen.

Für Geschäftsführer, IT-Leiter und Verwaltungsräte in Industrie-KMUs bedeutet das: Ein Cyberangriff trifft nicht mehr nur die Büro-IT. Er kann die gesamte Produktion lahmlegen.

Risiko 1: Veraltete SCADA-Systeme – das stille Einfallstor

SCADA-Systeme steuern Produktionsprozesse, Anlagen und Infrastrukturen. Viele dieser Systeme in Schweizer KMUs sind zehn, fünfzehn oder mehr Jahre alt – und wurden nie für eine vernetzte Welt gebaut. Sicherheitsupdates gibt es oft keine mehr, weil der Hersteller den Support eingestellt hat oder weil ein Update die Produktion unterbrechen würde.

Das System «lief schon immer so» – und genau deshalb fasst es niemand an. Angreifer kennen die Schwachstellen dieser Systeme jedoch genau. Ein erfolgreicher Angriff kann die gesamte Produktion stilllegen.

Erster Schritt: Inventar erstellen. Welche Systeme laufen in der OT-Umgebung, wie alt sind sie, und wann wurde zuletzt ein Update eingespielt? Wer das nicht weiss, kann nicht schützen.

Risiko 2: Fehlende Netzwerktrennung – wenn IT und OT zu eng verbunden sind

In vielen Unternehmen sind IT-Netzwerk (Büro, E-Mail, ERP) und OT-Netzwerk (Produktion, Maschinen) nicht voneinander getrennt. Die Konsequenz ist einfach: Wer ins Büronetzwerk eindringt, kommt auch in die Produktion.

Diese Verbindung ist oft historisch gewachsen – niemand hat sie bewusst hergestellt, sie ist einfach da. Ransomware, die über eine Phishing-Mail ins Büronetz gelangt, kann sich in Minuten bis in die Steuerungsanlage ausbreiten.

Erster Schritt: Netzwerktopologie prüfen lassen. Sind IT und OT tatsächlich getrennt – oder nur theoretisch? Eine einfache Analyse schafft Klarheit.

Risiko 3: USB-Angriffsvektoren – das unterschätzte Risiko im Alltag

Ein Techniker bringt einen USB-Stick mit, um eine Maschine zu konfigurieren. Ein Mitarbeitender lädt Daten auf einen privaten Stick. Das klingt harmlos – ist es aber nicht. USB-Geräte sind einer der häufigsten Wege, über die Schadsoftware in OT-Umgebungen gelangt. Gerade weil sie keine Internetverbindung benötigen.

Niemand denkt beim USB-Stick an einen Cyberangriff. Gezielte Angriffe auf Produktionsanlagen nutzen genau diesen Weg – auch in der Schweiz.

Erster Schritt: USB-Nutzung in der OT-Umgebung regeln. Wer darf welche Geräte anschliessen, und werden diese vor dem Einsatz geprüft? Eine klare Richtlinie kostet wenig und schützt viel.

Risiko 4: Ungesicherte Fernwartungszugänge – Komfort als Risiko

Viele Maschinen und Anlagen werden heute remote gewartet – durch den Hersteller, einen Servicetechniker oder einen externen Dienstleister. Das ist praktisch. Aber: Wie ist dieser Zugang gesichert? Gibt es ein Passwort? Ist es dasselbe wie vor fünf Jahren? Weiss überhaupt jemand, welche Zugänge aktiv sind?

Fernwartung gilt als technisches Detail, das «der Lieferant regelt». Ungesicherte Fernzugänge sind für Angreifer jedoch ein offenes Tor – und sie suchen aktiv danach.

Erster Schritt: Alle aktiven Fernwartungszugänge erfassen. Wer hat Zugriff, mit welchen Rechten, und ist der Zugang mit einer Mehrfaktor-Authentifizierung gesichert? Was nicht bekannt ist, kann nicht kontrolliert werden.

Risiko 5: Lieferkettenangriffe – das Risiko kommt von aussen

Nicht jeder Angriff kommt direkt. Immer häufiger nutzen Angreifer Zulieferer, Softwareanbieter oder Dienstleister als Einstiegspunkt. Sie kompromittieren einen Lieferanten und gelangen darüber ins Zielnetzwerk – ohne je direkt anzugreifen.

Man schützt das eigene Unternehmen, denkt aber nicht daran, wer sonst Zugriff hat. Grossabnehmer fordern zunehmend Nachweise über die Sicherheit der gesamten Lieferkette. Wer diese nicht liefern kann, verliert Aufträge – oder wird zum Einfallstor für einen grösseren Angriff.

Erster Schritt: Lieferanten und Dienstleister mit Systemzugriff identifizieren. Welche Dritten haben Zugang zu welchen Systemen? Gibt es vertragliche Sicherheitsanforderungen?

Praxisbeispiel: Was ein Produktionsstillstand wirklich kostet

Ein mittelgrosses Industrieunternehmen – rund 80 Mitarbeitende, Maschinenbau – wurde Opfer eines Ransomware-Angriffs. Der Angreifer gelangte über einen ungesicherten Fernwartungszugang ins Netzwerk, bewegte sich unbemerkt über mehrere Wochen und verschlüsselte schliesslich sowohl IT- als auch OT-Systeme.

Das Ergebnis:

  • Drei Tage Produktionsstillstand

  • Wiederherstellungskosten im sechsstelligen Bereich

  • Lieferverzögerungen bei Kunden

  • Erheblicher Reputationsschaden

Das Unternehmen hatte keine Netzwerktrennung, keine Übersicht über aktive Fernzugänge und kein aktuelles Inventar der OT-Systeme. Keines dieser Probleme wäre teuer zu beheben gewesen – wenn man sie gekannt hätte.

Sichtbarkeit ist der erste Schutz

OT-Security in der Industrie beginnt nicht mit teurer Technologie. Sie beginnt damit zu wissen, was man hat, wer Zugriff hat und wo die grössten Lücken sind. Wer das weiss, kann priorisieren. Wer das nicht weiss, hofft – und Hoffnung ist keine Sicherheitsstrategie.

Der erste Schritt ist einfach: ein strukturiertes Inventar der OT-Systeme, eine Prüfung der Netzwerktrennung und eine Übersicht über alle aktiven Zugänge. Das kostet wenig Zeit – und schafft die Grundlage für alles Weitere.

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Häufig gestellte Fragen

Was ist der Unterschied zwischen IT-Security und OT-Security?
IT-Security schützt Bürosysteme, Daten und Netzwerke. OT-Security schützt Betriebstechnologie wie Steuerungsanlagen, Produktionssysteme und Leittechnik. Beide Bereiche sind heute oft verbunden – und müssen deshalb gemeinsam gesichert werden.

Warum sind Industrie-KMUs besonders gefährdet?
Weil OT-Systeme oft alt sind, selten aktualisiert werden und historisch ohne Sicherheitskonzept gewachsen sind. Gleichzeitig fehlt in vielen KMUs ein dediziertes Sicherheitsteam, das diese Risiken erkennt und adressiert.

Was kostet ein OT-Security-Assessment?
Das hängt von der Grösse und Komplexität der Umgebung ab. Ein erstes Gespräch mit SecuraNova ist kostenlos und zeigt, welcher Aufwand realistisch ist – und wo die grössten Hebel liegen.

Muss ich alle fünf Risiken gleichzeitig angehen?
Nein. Der erste Schritt ist immer Sichtbarkeit: ein Inventar der Systeme, eine Prüfung der Netzwerktrennung, eine Übersicht über Zugänge. Wer weiss, wo er steht, kann priorisieren – und das Wichtigste zuerst angehen.

Das Wichtigste in Kürze

  • OT-Security betrifft jedes Industrie-KMU, das Produktionsanlagen, Steuerungssysteme oder vernetzte Maschinen betreibt.
  • Die fünf häufigsten Risiken – veraltete SCADA-Systeme, fehlende Netzwerktrennung, unkontrollierte USB-Nutzung, ungesicherte Fernwartungszugänge und Lieferkettenangriffe – sind oft unbekannt, aber behebbar.
  • Ein Produktionsstillstand durch einen Cyberangriff kostet ein KMU schnell sechsstellige Beträge – und das, obwohl die Ursachen mit überschaubarem Aufwand hätten erkannt werden können.
  • Sichtbarkeit ist der erste und wichtigste Schutz: Wer weiss, was er hat und wer Zugriff hat, kann gezielt handeln.
MK
Marcel Kühni
Gründer und Information Security Consultant · SecuraNova
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