Fernwartung sicher gestalten: Was KMU in der Schweiz jetzt wissen müssen

Fernwartung ist ein häufiges Einfallstor für Cyberangriffe. Erfahren Sie, wie KMU in der Schweiz Remote Access sicher gestalten und Risiken gezielt reduzieren.
Fernwartung gehört heute zum Alltag vieler Schweizer KMU – und ist gleichzeitig eines der häufigsten Einfallstore für Cyberangriffe. Wer nicht weiss, welche Fernzugänge in seinem Unternehmen aktiv sind und wer darüber Zugriff hat, trägt ein konkretes Betriebsrisiko. Besonders in der Industrie und bei Energieversorgern, wo IT- und OT-Systeme zunehmend vernetzt sind, kann ein unkontrollierter Fernzugriff weit mehr als Datenverlust bedeuten – er kann die Produktion stilllegen.
Was ist Fernwartung – und warum trägt sie heute mehr Risiko?
Fernwartung bedeutet: Externe IT-Dienstleister, Maschinenlieferanten oder interne Mitarbeitende verbinden sich über das Internet auf Systeme im Unternehmen. Das ist praktisch und spart Zeit. Aber es stellt auch eine Frage, die viele KMU nicht klar beantworten können: Wer verbindet sich wann, von wo, auf welche Systeme – und was passiert dabei?
Wenn diese Fragen offen bleiben, entsteht eine Lücke. Und Angreifer nutzen genau solche Lücken gezielt aus.
Fernwartung ist deshalb kein rein technisches Thema. Es ist eine Frage der Kontrolle. Und Kontrolle beginnt mit Überblick.
Welche Fehler beim Remote Access in KMU am häufigsten auftreten
In der Praxis begegnen mir immer wieder dieselben Schwachstellen. Sie sind selten das Ergebnis von Nachlässigkeit – sondern von gewachsenen Strukturen und fehlendem Überblick.
VPN ohne Mehrfaktor-Authentifizierung (MFA): Ein VPN allein schützt nicht ausreichend. Wenn ein Passwort gestohlen oder erraten wird, steht der Angreifer direkt im Netzwerk. MFA – also ein zweiter Bestätigungsschritt beim Login – reduziert dieses Risiko erheblich.
Geteilte Benutzerkonten: Wenn sich mehrere Personen oder externe Dienstleister denselben Account teilen, ist im Ernstfall nicht nachvollziehbar, wer was getan hat. Individuelle Zugänge sind Pflicht – nicht Kür.
Fehlende Protokollierung: Was nicht aufgezeichnet wird, kann nicht analysiert werden. Ohne Logs gibt es keine Möglichkeit, einen Vorfall nachzuvollziehen oder frühzeitig zu erkennen, dass etwas nicht stimmt.
Diese drei Punkte allein stellen für viele KMU ein erhebliches Risiko dar – und sie lassen sich mit überschaubarem Aufwand beheben.
5 Massnahmen für sichere Fernwartung – ohne grossen Aufwand
Sicherheit beim Remote Access muss nicht komplex sein. Diese fünf Massnahmen schaffen eine solide Grundlage:
MFA für alle Fernzugänge einführen – ohne Ausnahme, auch für externe Dienstleister.
Individuelle Benutzerkonten vergeben – keine geteilten Zugänge, klare Verantwortlichkeiten.
Zugriffszeiten und -berechtigungen einschränken – wer nur dienstags zwischen 8 und 17 Uhr Zugriff braucht, sollte auch nur dann Zugriff haben.
Alle Verbindungen protokollieren – wer hat sich wann eingeloggt, auf welche Systeme, wie lange?
Fernzugänge regelmässig überprüfen – inaktive Zugänge deaktivieren, externe Dienstleister nach Projektabschluss sofort sperren.
Diese Massnahmen erfordern Disziplin und klare Prozesse – aber keine grossen Investitionen.
Fernwartung in OT-Umgebungen: Wenn der Fernzugriff die Produktion gefährdet
In Industrieunternehmen und Energieversorgern gibt es eine zusätzliche Dimension: die OT-Umgebung. OT steht für «Operational Technology» – also Steuerungssysteme, Produktionsanlagen und Leitsysteme. Diese Systeme wurden ursprünglich nicht für eine Vernetzung mit der IT oder dem Internet konzipiert. Sicherheitsfunktionen wie Verschlüsselung oder Authentifizierung fehlen oft vollständig.
Wenn ein Maschinenlieferant per Fernwartung auf eine Produktionsanlage zugreift, geschieht das häufig über denselben Netzwerkzugang wie der Rest der IT. Eine Trennung zwischen IT und OT – sogenannte Netzwerksegmentierung – fehlt in vielen KMU. Das bedeutet: Ein Angreifer, der über einen Fernwartungszugang ins Netzwerk gelangt, kann im schlimmsten Fall nicht nur Daten stehlen, sondern auch Produktionsprozesse manipulieren oder stilllegen.
Für OT-Umgebungen gelten deshalb zusätzliche Anforderungen:
Fernwartungszugänge für OT-Systeme müssen strikt vom IT-Netzwerk getrennt sein.
Jeder externe Zugriff auf OT-Systeme sollte aktiv überwacht und im Idealfall durch eine interne Person begleitet werden.
Ältere Steuerungssysteme, die keine modernen Sicherheitsfunktionen unterstützen, brauchen kompensatorische Massnahmen – zum Beispiel vorgelagerte Sicherheitsschichten.
Praxisbeispiel: Maschinenbauer mit unkontrolliertem Lieferantenzugang
Ein Industrieunternehmen mit rund 80 Mitarbeitenden nutzt mehrere Produktionsanlagen, die von verschiedenen Lieferanten gewartet werden. Jeder Lieferant hat einen eigenen VPN-Zugang – ohne MFA, ohne Zeitbeschränkung, ohne Protokollierung. Einige dieser Zugänge bestehen seit Jahren, obwohl die Zusammenarbeit längst abgeschlossen ist.
Im Rahmen eines IT/OT-Security-Assessments werden diese Zugänge sichtbar gemacht. Das Ergebnis: zwölf aktive Fernwartungszugänge – von denen das Unternehmen nur sechs kannte. Drei davon führten direkt in die OT-Umgebung.
Die Massnahmen: Alle Zugänge werden inventarisiert, nicht mehr benötigte sofort gesperrt, MFA für alle verbleibenden Zugänge eingeführt, Protokollierung aktiviert. Der Aufwand: überschaubar. Der Nutzen: erheblich.
Kontrolle ist der erste Schritt
Fernwartung sicher zu gestalten beginnt nicht mit teurer Technologie. Es beginnt damit, den Überblick zu gewinnen: Welche Zugänge existieren? Wer nutzt sie? Sind sie noch notwendig?
Erst wenn diese Fragen beantwortet sind, lassen sich gezielte Massnahmen umsetzen. Für KMU – besonders in der Industrie und Energieversorgung – ist das kein optionales Thema. Es ist ein konkretes Betriebsrisiko, das sich mit klaren Schritten deutlich reduzieren lässt.
Sofort machbarer erster Schritt: Erstellen Sie noch diese Woche eine Liste aller aktiven Fernzugänge in Ihrem Unternehmen. Wer hat Zugriff? Seit wann? Wird er noch gebraucht?
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Häufig gestellte Fragen
Was ist der grösste Fehler bei der Fernwartung in KMU?
Der häufigste Fehler ist ein VPN-Zugang ohne Mehrfaktor-Authentifizierung. Wird ein Passwort gestohlen, steht der Angreifer direkt im Netzwerk – ohne weiteren Schutz. MFA verhindert genau das.
Was bedeutet Netzwerksegmentierung und warum ist sie wichtig?
Netzwerksegmentierung bedeutet, IT- und OT-Systeme in getrennte Netzwerkbereiche aufzuteilen. So kann ein Angreifer, der über einen Fernzugang ins IT-Netzwerk gelangt, nicht automatisch auch auf Produktionsanlagen zugreifen.
Wie oft sollten Fernzugänge überprüft werden?
Mindestens einmal pro Quartal. Zusätzlich sollte jeder externe Zugang sofort gesperrt werden, sobald ein Projekt abgeschlossen ist oder eine Zusammenarbeit endet.
Gilt das auch für kleine KMU mit weniger als 50 Mitarbeitenden?
Ja. Angreifer unterscheiden nicht nach Unternehmensgrösse. Gerade kleinere Unternehmen sind oft attraktive Ziele, weil sie weniger Schutzmassnahmen haben – und häufig Teil einer grösseren Lieferkette sind.
Das Wichtigste in Kürze
- Fernwartung ist eines der häufigsten Einfallstore für Cyberangriffe in Schweizer KMU – und lässt sich mit klaren Massnahmen deutlich sicherer gestalten.
- Fehlende Mehrfaktor-Authentifizierung, geteilte Benutzerkonten und mangelnde Protokollierung sind die häufigsten Schwachstellen.
- In OT-Umgebungen – also bei Produktionsanlagen und Leitsystemen – ist das Risiko besonders hoch, weil ein kompromittierter Fernzugang den Betrieb direkt gefährden kann.
- Der erste Schritt ist kein technisches Projekt, sondern eine einfache Frage: Welche Fernzugänge existieren in meinem Unternehmen – und sind sie noch notwendig?
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