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Datenschutz und Informationssicherheit: Zwei Seiten derselben Medaille

MKMarcel Kühni 19. November 2025 3 Min. Lesezeit
Datenschutz und Informationssicherheit – Zwei Seiten derselben Medaille

Datenschutz und Informationssicherheit gehören zusammen – warum Führungskräfte in KMU beides verstehen müssen und wie das gelingt.

Datenschutz ist Chefsache – nicht nur Juristensache. Informationssicherheit ist Führungsaufgabe – nicht nur IT-Thema. Wer beides trennt, riskiert ein Sicherheitsgefühl, das nur auf dem Papier existiert. Für Geschäftsführer, IT-Leiter und Verwaltungsräte in Schweizer KMU ist das Verständnis beider Disziplinen heute eine Grundvoraussetzung für verantwortungsvolle Unternehmensführung.

Was Datenschutz und Informationssicherheit wirklich bedeuten

Datenschutz schützt die Person. Informationssicherheit schützt die Information. Beide Ziele klingen verschieden – und doch sind sie untrennbar verbunden.

In der Praxis werden die beiden Bereiche jedoch häufig getrennt behandelt: Der Datenschutz landet beim Juristen, die Informationssicherheit bei der IT. Der eine denkt in Gesetzen und Einwilligungen, der andere in Firewalls und Zugriffsrechten. Keiner schaut auf das Ganze.

Das Ergebnis sind Missverständnisse, Konflikte und – im schlimmsten Fall – Datenschutzverletzungen, die nicht aus böser Absicht entstehen, sondern weil niemand wusste, wer eigentlich verantwortlich ist.

Warum das Silodenken gefährlich ist

Ich begleite regelmässig Unternehmen, in denen genau dieses Muster zu beobachten ist. Ein konkretes Beispiel: Ein Unternehmen wollte ein neues Monitoring-System einführen. Die Informationssicherheit forderte umfassende Protokollierung. Der Datenschutz widersprach: «Das verstösst gegen das Prinzip der Datenminimierung.» Wochenlange Diskussionen folgten – weil niemand das Gesamtbild sah.

Die Lösung lag im Dialog: Protokollierung ist notwendig, um Vorfälle zu erkennen. Aber sie muss so gestaltet sein, dass personenbezogene Daten geschützt bleiben. Beides ist möglich – wenn man es gemeinsam denkt.

Die häufigsten Schwachstellen, die ich in Unternehmen sehe:

  • Silodenken: Datenschutz in der Rechtsabteilung, Informationssicherheit in der IT – ohne Abstimmung.

  • Fehlende Verantwortlichkeit: Niemand fühlt sich wirklich zuständig.

  • Begriffsverwechslung: Datenschutz und Informationssicherheit werden gleichgesetzt oder gegeneinander ausgespielt.

  • Reaktives Handeln: Datenschutz wird erst bei Vorfällen oder Audits relevant.

Diese Trennung verhindert, dass ein Unternehmen ganzheitlich widerstandsfähig wird. Es entsteht ein Flickenteppich aus Massnahmen – ohne gemeinsames Zielbild.

Warum Datenschutz und Informationssicherheit Führungsthemen sind

Ein weit verbreitetes Missverständnis lautet: «Das ist Sache der IT. Die müssen wissen, wie das geschützt wird.»

Dieser Satz ist gefährlich – denn er verschiebt Verantwortung an die falsche Stelle. Die IT stellt Systeme bereit. Aber Führungskräfte sind verantwortlich für die Informationen, die sie verarbeiten. Sie entscheiden, welche Daten gesammelt werden, wie sie genutzt und an wen sie weitergegeben werden. Diese Entscheidungen sind rechtlich und organisatorisch relevant – nicht nur technisch.

Ich sage oft: «Führung in der digitalen Welt bedeutet, Verantwortung für Informationen zu tragen – nicht nur für Mitarbeitende oder Budgets.»

Führungskräfte müssen deshalb in der Lage sein, folgende Fragen zu beantworten:

  • Welche Daten verarbeite ich in meinem Bereich?

  • Wo liegen sie?

  • Wer hat Zugriff?

  • Welche Risiken bestehen bei Verlust oder Missbrauch?

Nur wer diese Fragen beantworten kann, kann Verantwortung übernehmen.

Wie sich Datenschutz und Informationssicherheit ergänzen

Ein reifes Unternehmen versteht: Datenschutz und Informationssicherheit sind keine Gegensätze – sie sind komplementär.

Datenschutz

Informationssicherheit

Schützt die Person

Schützt die Information

Fokussiert auf Rechtmässigkeit

Fokussiert auf Vertraulichkeit, Integrität, Verfügbarkeit

Betrifft personenbezogene Daten

Betrifft alle Informationen

Ist gesetzlich vorgeschrieben

Ist organisatorisch und technisch erforderlich

Wird oft reaktiv geprüft

Muss proaktiv gelebt werden

Die Schnittmenge beider Disziplinen ist Vertrauen – die Grundlage jeder Beziehung zwischen Organisation und Mensch.

Vom Regelwerk zur Sicherheitskultur

Die besten Regelwerke nützen nichts, wenn sie nicht verstanden werden. Der entscheidende Faktor ist die Kultur – und die entsteht durch Kommunikation und Führung.

Führungskräfte müssen den Datenschutz nicht juristisch beherrschen. Sie müssen auch keine technischen Spezialisten sein. Aber sie müssen das Warum verstehen.

Wenn Führungskräfte begreifen, dass Datenschutz Vertrauen schafft und Informationssicherheit dieses Vertrauen schützt, ändert sich die Wahrnehmung: Datenschutz wird nicht mehr als Bremse gesehen, sondern als Bestandteil verantwortungsvoller Unternehmensführung.

Wie Unternehmen beides zusammenbringen

Aus meiner Erfahrung funktioniert das Zusammenspiel dann, wenn drei Prinzipien gelebt werden:

1. Gemeinsame Governance
Datenschutzbeauftragte, IT und Fachbereiche arbeiten in einem abgestimmten Rahmen – mit klaren Rollen und klaren Schnittstellen.

2. Führung übernimmt Verantwortung
Das Management definiert Werte und Erwartungen. Datenschutz und Informationssicherheit sind Teil der Unternehmenskultur – nicht nur Compliance-Themen.

3. Kommunikation in verständlicher Sprache
Keine juristischen oder technischen Fachvorträge, sondern klare, menschliche Botschaften: «Wir schützen Daten, weil sie Menschen gehören – und weil Vertrauen unser grösstes Gut ist.» Ein Satz, der mehr bewirkt als zehn Paragraphen.

Praxisbeispiel: KMU in der Industrie

Ein produzierendes KMU mit rund 80 Mitarbeitenden stand vor genau dieser Herausforderung: Der IT-Leiter kümmerte sich um technische Sicherheit, der externe Anwalt um Datenschutzfragen – beide arbeiteten nebeneinander her, ohne gemeinsames Zielbild.

Im Rahmen einer Beratung wurden zunächst die Verantwortlichkeiten geklärt: Wer entscheidet, welche Daten gesammelt werden? Wer ist zuständig, wenn ein Vorfall eintritt? Anschliessend wurden Datenschutz und Informationssicherheit in eine gemeinsame Governance-Struktur überführt – mit klaren Rollen, regelmässigem Austausch und einer Sprache, die sowohl die Geschäftsleitung als auch die IT verstand.

Das Ergebnis: weniger Reibung, mehr Klarheit – und ein Sicherheitsniveau, das nicht nur auf dem Papier existiert.

Mein Experten-Tipp

Datenschutz und Informationssicherheit sind zwei Seiten derselben Medaille. Ohne Datenschutz verliert Informationssicherheit ihre ethische Basis. Ohne Informationssicherheit bleibt Datenschutz theoretisch.

Der erste Schritt ist einfach: Bringen Sie Datenschutzverantwortliche und IT-Sicherheit an einen Tisch. Klären Sie gemeinsam, wer für welche Informationen verantwortlich ist. Dieser eine Schritt verhindert mehr Vorfälle als jede Firewall allein.

Bereit, Datenschutz und Informationssicherheit in Ihrem Unternehmen zu verbinden?

Ich begleite KMU dabei, beide Disziplinen zusammenzuführen – mit klaren Rollen, verständlicher Sprache und Massnahmen, die im Alltag wirklich funktionieren. Nehmen Sie Kontakt auf und wir schauen gemeinsam, wo Ihr Unternehmen heute steht.

Häufig gestellte Fragen

Was ist der Unterschied zwischen Datenschutz und Informationssicherheit?
Datenschutz schützt Personen und deren personenbezogene Daten – er ist gesetzlich vorgeschrieben. Informationssicherheit schützt alle Informationen eines Unternehmens vor unbefugtem Zugriff, Verlust oder Manipulation. Beide Bereiche verfolgen dasselbe Ziel: Vertrauen schaffen und erhalten.

Warum ist Datenschutz eine Führungsaufgabe und nicht nur ein juristisches Thema?
Weil Führungskräfte entscheiden, welche Daten gesammelt, wie sie genutzt und an wen sie weitergegeben werden. Diese Entscheidungen haben rechtliche und organisatorische Konsequenzen – sie können nicht vollständig an Juristen oder die IT delegiert werden.

Was passiert, wenn Datenschutz und Informationssicherheit getrennt behandelt werden?
Es entsteht ein Flickenteppich aus Massnahmen ohne gemeinsames Zielbild. Verantwortlichkeiten sind unklar, Konflikte zwischen Abteilungen häufen sich – und das Risiko von Datenschutzverletzungen steigt, oft ohne böse Absicht.

Wie kann ein KMU Datenschutz und Informationssicherheit sinnvoll zusammenführen?
Mit drei Schritten: gemeinsame Governance etablieren, Führungsverantwortung klar definieren und in einer Sprache kommunizieren, die alle verstehen – vom Geschäftsführer bis zur IT.

Das Wichtigste in Kürze

  • Datenschutz und Informationssicherheit verfolgen dasselbe Ziel – Vertrauen schaffen – und müssen deshalb gemeinsam gedacht werden, nicht in getrennten Silos.
  • Führungskräfte tragen die Verantwortung für die Informationen, die ihr Unternehmen verarbeitet, und können diese nicht vollständig an IT oder Juristen delegieren.
  • Eine gemeinsame Governance-Struktur mit klaren Rollen und verständlicher Kommunikation ist der entscheidende Schritt zur ganzheitlichen Resilienz.
  • Wer Verantwortung für Menschen trägt, trägt auch Verantwortung für ihre Daten.
MK
Marcel Kühni
Gründer und Information Security Consultant · SecuraNova
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